High Tech aus dem Odenwald
Die SPIR STAR AG aus Rimbach-Mitlechtern gehört zu den weltweit führenden Herstellern von thermoplastischen Höchstdruckschläuchen, die vorwiegend in Industrieprozessen verwendet werden – aber auch beim Betanken von wasserstoffbetriebenen Autos.
Wenn Ruben de Graaf gefragt wird, was seine Firma denn genau herstellt, muss er erst einmal Missverständnisse beseitigen und viel erklären. Denn SPIR STAR-Schläuche sind eben gerade nicht die, die man für den Hausgebrauch im Baumarkt kauft oder die in Autos verbaut werden. In Rimbach-Mitlechtern werden Höchstleistungsprodukte für physikalische Grenzbereiche entwickelt und produziert, die Drücken bis zu 4.000 bar standhalten.
 „Unsere Schläuche werden zum Beispiel in der Wasserstrahltechnik eingesetzt“, erläutert der Vorstand. Zum Schneiden von Stahl und Blechen etwa, beim Abbrechen von Beton, aber auch bei der Wartung von riesigen Containerschiffen, deren Rumpf alle paar Jahre einen neuen Anstrich erhält und die dafür vorher entlackt werden – inzwischen häufiger mit Wasserstrahl- statt wie früher mit Sandstrahltechnik. Auch die Öl-, Gas- und Hydraulikindustrie ist auf die Höchstdruckschläuche aus dem Odenwald angewiesen, in der Automobilindustrie kommen sie beispielsweise bei Heißklebeverfahren zum Einsatz.
Ruben de Graafs Vater Walter hatte SPIR STAR 1989 zusammen mit Gerhard Strobach und Werner Büchner gegründet. Den Namen des Unternehmens leiteten sie vom Aufbau ihrer Schläuche ab: Um ein Innenrohr aus Kunststoff werden mehrere Lagen Draht als Druckträger „spiralisiert“, also spiralförmig gewunden, sodass Flüssigkeiten oder Gase mit extrem hohem Druck durchgeleitet werden können, ohne dass sie platzen. Das Prinzip hat sich in etwas mehr als 30 Jahren nicht verändert, doch die Produkte sind immer besser und die Drücke, denen sie standhalten, immer höher geworden. „Wir verstehen uns als Problemlöser für unsere Kunden“, erklärt Ruben de Graaf. „Vieles entwickeln wir im Dialog mit den Kunden, wir führen aber auch Marktanalysen durch, um Trends und Bedarfe zu erkennen.“ So wie im Bereich der Wasserstofftechnik. De Graaf und Rainer Schmitt, seit 2001 der Aufsichtsratsvorsitzende der SPIR STAR AG, haben deren Zukunfts- und Wachstumspotenzial für die Elektromobilität früh erkannt und in die notwendige Zertifizierung ihrer Schläuche investiert. Mit Erfolg. Heute setzt das Unternehmen die Benchmark, SPIR STAR-Schläuche werden an den meisten Wasserstofftankstellen in Deutschland, den USA aber auch in Asien eingesetzt. „Und da bekommt dann tatsächlich auch mal der Endverbraucher eines unserer Produkte in die Hand“, sagt Ruben de Graaf lachend.
Der Mittelständler SPIR STAR ist einer dieser klassischen „hidden champions“: wenig bekannt in der Öffentlichkeit, aber weltweit geschätzt bei Partnern aus der Industrie. Früh setzte die erste Firmengeneration auf Internationalisierung und gründete Vertriebsgesellschaften in Frankreich, den USA, Singapur und China. Produziert wird jedoch bis heute ausschließlich in Rimbach-Mitlechtern. „So können wir höchste Qualität bei der Herstellung und Entwicklung und erstklassigen Service vor Ort garantieren“, begründet Ruben de Graaf. Zwei Umzüge – von Ober-Mumbach zunächst nach Mörlenbach und 2001 nach Rimbach-Mitlechtern – hat es gegeben, doch der Standort im Odenwald stand nie in Frage. „Hier wegzugehen hätte für uns keinen Vorteil“, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Schmitt. Ruben de Graaf sieht SPIR STAR als „lokales Unternehmen mit Mitarbeitern aus der Region, das großen Wert darauf legt, Ausbildungsplätze im kaufmännischen und gewerblichen Bereich anzubieten, und das der Region auch was zurückgeben will“. Sabine Steinmann, verantwortlich für Marketing, PR und Umwelt, ergänzt: „Wir haben hier ein familiäres Umfeld und pflegen ein gutes Miteinander. Wir bieten moderne, ergonomische Arbeitsplätze und überdurchschnittliche Sozialleistungen. Aufgrund unseres Wachstums sind wir auf der Suche nach neuen Mitarbeitern.“
Aus dem Odenwald, für den Odenwald – dazu gehört für SPIR STAR auch der Einsatz für Naturschutz und Nachhaltigkeit. In den vergangenen Monaten wurden Teile des Firmengeländes naturnah umgestaltet. Auslöser war die Fernsehsendung ‚Terra X‘ im ZDF. „Es ging um das Thema Vogelsterben. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht“, erinnert sich Ruben de Graaf. Eine Google-Recherche später, noch am selben Sonntagabend, hatte er den Kontakt zur Heinz Sielmann Stiftung hergestellt, die das Projekt ‚Naturnahe Firmengelände‘ ins Leben gerufen hat und Unternehmen darin unterstützt, ihren Beitrag zur Bewahrung von Ökosystemen zu leisten – „etwas zurückzugeben“, wie de Graaf das nennt. In Zusammenarbeit mit Projektleiterin Dr. Martina Koch und der Naturgartenplanerin Ute Geyer wurden in eineinhalb Jahren rund 13.000 Quadratmeter Fläche umgestaltet. Unkrauthemmende Vliese wurden aus dem Boden geholt, exotische Pflanzen entfernt und durch heimische Arten ersetzt. Wiesenflächen werden seltener gemäht und Obstbäume beleben nun die Tradition der Odenwälder Streuobstwiesen neu. Der Ertrag des Projekts ist jedoch weitaus höher als die zu erwartende Ernte von Äpfeln, Birnen und Quitten: In kürzester Zeit siedelten sich Zauneidechsen zwischen aufgeschichteten Steinen an, Insekten fanden Lebensraum im Totholz, Wildbienen umschwirren Wiesenblumen, und Libellen lieben den neu angelegten Wasserlauf – überall kreucht und fleucht es. Sogar Rehe lassen sich blicken. Und inzwischen haben auch Schafe ein vorübergehendes Zuhause bei SPIR STAR gefunden, denn auch sie sind aktive Naturschützer, pflegen Kulturlandschaften und passen so ganz hervorragend in das Unternehmen.