PACKESEL – Wer zweimal läuft ist selber schuld  ....
Alles begann mit der Geburt: Als eine gute Freundin ihr erstes Kind erwartete, begaben sich die Schwestern Christine Apró und Susanne Fischer auf die Suche nach einem Geschenk. Es sollte originell sein, keinesfalls von der Stange kommen – und möglichst langlebig sein. Und weil die beiden nicht nur schon immer das Elternhaus, sondern auch das handwerkliche Geschick teilen, entschieden sie sich für eine Kinderwagentasche – selbstgemacht.
Die Freundin freute sich sehr, trug die Tasche samt Kind munter durch die Gegend und wurde immer wieder darauf angesprochen. Die Leute lobten Machart und Design, die Freundin gab das Feedback weiter. Schließlich sagten sich die beiden Damen: „Okay, da scheint es einen Markt für solche Taschen zu geben.“ (O-Ton Christine Apró) Im Nachhinein wurde die Freundin zur ersten Werbeträgerin – und Christine Apró zusammen mit Susanne Fischer zu Unternehmern.
2010 war das. Zunächst betrieben die beiden den neuen Job nebenher von zuhause aus, gründeten die Firma „Packesel“, eine externe Näherei erledigte einen Großteil der Arbeiten. 2014 ergab sich dann die Möglichkeit, eine eigene Werkstatt zu übernehmen – was sich im Nachhinein als Glücksgriff erwies. Erstens, weil die Aufträge immer mehr wurden. Zweitens, weil die Räumlichkeiten in der Kröckelbacher Straße 33 in Fürth als Aushängeschild dienen. „Das war der richtige Schritt, weil wir auch sehr viel Kundschaft direkt hier im Laden haben. Mittlerweile haben wir zwei Tage die Woche geöffnet und die Leute kommen gezielt hierher, um sich umzuschauen“, sagt Christine Apró.

Es sei zu spüren, dass die Menschen sehr viel Wert auf Qualität und Individualität legen, aber auch darauf, möglichst nah am Produktionsprozess zu sein. „Hier können sie sich ansehen, wie wir arbeiten. Sie suchen sich das Leder für ihre Tasche aus und erfahren, wo es herkommt und wer es wie verarbeitet. Das ist das, was die Leute schätzen.“ Zudem setzen Christine Apró und Susanne Fischer verstärkt auf Nachhaltigkeit. So gehen alte Ledersofas bei „Packesel“ in die Zweitverwertung, werden Sitzgelegenheiten zu Tragetaschen.

Der Clou dabei: Während der Trend der „Recycling-Taschen“ bis dato vor allem auf quietschbunte Funktionstaschen oder sportliche Varianten setzten, entschied sich das Odenwälder Schwesternduo intuitiv für die schlichtere Machart – und trafen damit einen Nerv der Zeit. Heute haben sie neben Kinderwagentaschen Umhänge- und Windeltaschen im Angebot, außerdem Brillenetuis und Feuerholzkörbe. Kunden, die ihr eigenes Leder in Form einer alten Jacke mitbringen, sind gerne eingeladen, in der Packesel-Werkstatt vorbeizuschauen: „Das erleben wir immer – und arbeiten das gerne in die Tasche ein.“

Text: Rüdiger Ofenloch