„Seit die Uhren da sind, ist die Zeit ein Thema“
Bruno und Beate Kaiser aus Walldürn sammeln Uhren – und allerlei.

Manchmal gehen sie hinüber, die paar Schritte von ihrem Wohnhaus in ihr Museum, und dann zieht Bruno Kaiser all die Uhren auf. Er und seine Frau Beate setzen sich an den massigen Holztisch vorne am Eingang, und sie hören der Zeit beim Vergehen zu. Die Zeit läuft, sie tickt, laut und leise, sie summt und klackt, hier schwerfällig und dunkel im Ton, da hinten leicht und spielerisch mit hellem Klang, sie schreitet, läuft und springt, sie summt und schnarrt, der ganze Raum ist erfüllt vom Ticken der Uhren, vom Surren der Schlagwerke, vom Vergehen der Zeit. „Für uns ist das wie eine Musik“, sagt Bruno Kaiser.
 

Seit ein paar Jahren haben die Kaisers ihr eigenes kleines Museum, die Zeit(t)räume in Walldürn, hoch oben im Neckar-Odenwald-Kreis. Die Zeit, die Uhren -  sie sind das zentrale Thema der privaten Sammlung mit ihren unzähligen Exponaten. „Über 100 Uhren dürften es schon sein“, schätzt Kaiser.

Seine besondere Liebe gilt dabei den Turmuhren aus der unmittelbaren Umgebung: gigantische Uhrwerke aus der Wallfahrtsstadt und all den umgebenden kleinen Dörfern hat Kaiser aufgestöbert, „ich bin auf alle Türme raufgestiegen!“, und da standen sie, überholt von der modernen Technik, arbeitslos, vermeintlich nutz- und wertlos. Die riesigen Zahnräder, die Seile, die Riemen, alles eingestaubt und angerostet, Kaiser brauchte Überzeugungsarbeit und dann jede Menge Geduld, um die alten Schätze wieder zum Glänzen und zum Klingen zu bringen. Und jede Menge Zeit brauchte er, jedes Mal, wenn er einen neuen, alten Zeitmesser nach Hause transportierte.

„Jetzt wird aber nichts mehr gesammelt!“, hat Beate Kaiser bei jedem neuen Stück verkündet, „jetzt ist Schluss!“, und jedes Mal hat sie doch gewusst, dass es nichts bringen würde, dass ihr Mann der Zeit und den Uhren verfallen ist. Und sie ja eigentlich genauso. „Seit die Uhren hier bei uns sind, ist die Zeit ein Thema“, sagt sie. Die Technik, die Mechanik, die Gehäuse, der Klang, all das fasziniert die Kaisers seitdem. Ebenso wie die Zeit an sich, das Vergängliche, das Relative, die Vergangenheit, die Zukunft. „Was wird aus den Uhren, wenn wir mal nicht mehr da sind?“ ,  „Wie verbringen wir unsere Zeit?“, „Was heißt eigentlich ‚Ich habe Zeit!‘?“ - Solche Fragen stellen sich die Kaisers, seit sie sich die Zeit ins Haus geholt haben.

Dabei gibt es im Museum in Walldürn nicht nur die Uhren zu bewundern, sie waren und sind quasi der Grundstock, die tickende Hintergrundmelodie für all die anderen Sammlerobjekte: mechanische Musikinstrumente gibt es da, die wundersamsten Geräte, die wie von Geisterhand spielen, die die Püppchen tanzen lassen, Grammophone aus Urgroßvaters Zeiten, historische Steinbaukästen und ebenso historische Puppen, die das Herz jedes Kenners höher schlagen lassen.

Mit den Kennern der Szene treffen sich die Kaisers regelmäßig, sie fahren zu Sammlermessen quer durch Deutschland, „jetzt wird aber nichts mehr gesammelt“, sagt Beate Kaiser beim Losfahren noch energisch, und am Ende bringen sie doch wieder diesen oder jenen Schatz mit nach Hause.

Manchmal kommen die Schätze auch von selber zu Ihnen. Es hat sich rumgesprochen in der Region, dass es inzwischen sogar einen Förderverein mit fast 150 Mitgliedern gibt, der die Kaisers mit ihrer Sammelleidenschaft unterstützt. Dass Bruno und Beate die alte Technik zu schätzen wissen, dass sie mit viel Liebe und Sachverstand ans Werk gehen. So stand neulich eine Frau vor der Tür, der Mann war eben gestorben und hatte eine stattliche Sammlung uralter Radiogeräte hinterlassen. „Da konnte ich natürlich nicht widerstehen“, sagt Bruno Kaiser und lacht.  Im Museum sollen sie demnächst einen eigenen Raum bekommen.

Den Besuchern des Walldürner Museums wird es recht sein, wer die Zeit(t)räume betritt, vergisst die Zeit, er wandelt staunend zwischen den vollgestellten Regalen hin und her, bringt hier ein Instrument zum Klingen, da eine Uhr zum Schlagen. Immer wieder kommen ganze Besuchergruppen zur Besichtigung, Bruno Kaiser führt sie dann durch seine kleinen heiligen Hallen, auch er vergisst mitunter die Zeit, er erzählt und erzählt, zu jedem Exponat gibt es mindestens eine Geschichte, und Bruno Kaiser kennt sie alle. „Ach herrjeh, jetzt ist die Zeit ja im Fluge vergangen!“, sagen die Besucher am Ende der Führung mit Blick auf die eigene Armbanduhr. Sie sind in die alten Zeiten abgetaucht und haben die Zeit vergessen. „Genauso soll das sein!“, sagt Bruno Kaiser dann.
Text: Friederike Kroitzsch
Museum Zeit(T)räume

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