Lebkuchen Baumann
 
In der Weihnachtsbäckerei

In Handarbeit und nach alter Familientradition werden in der Backstube der Baumanns in Beerfurth seit über 200 Jahren Lebkuchen gebacken.

Einmal tief einatmen — hmmmmm! So riecht Weihnachten. Nach Zimt und Honig, nach Vorfreude und Kindheit — nach Lebkuchen eben! Ab August zieht dieser so vielversprechende Duft durch den Ortskern von Beerfurth bei Reichelsheim. Denn im August beginnt in der Lebkuchenbäckerei Baumann am Beerfurther Marktplatz die Weihnachtszeit. Dann heizt Willi Baumann den großen Ofen an und fängt an zu backen: Herzen, Sterne, Rechtecke, Schaukelpferdchen — genauso wie es vor ihm sein Vater, sein Großvater, sein Urgroßvater gemacht haben. Die Baumanns sind Lebkuchenbäcker in der elften Generation.

Lebkuchenbäcker in der elften Generation

2007 hat Willi Baumann junior das Ruder im Familienbetrieb von seinem Vater übernommen. Damals war der gelernte Bäcker noch in einer „normalen“ Bäckerei angestellt. Seit 2015 leitet er die elterliche Lebkuchenbäckerei nun hauptberuflich und betreibt nebenbei noch Landwirtschaft. Dass er einmal in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten würde, war ihm bereits früh klar. „Ich wusste schon als Kind, dass ich diese Tradition weiterführen will“, erzählt der 39-Jährige.

Französische Soldaten waren es wohl, die im 18. Jahrhundert die Lebkuchen in den Odenwald brachten. 16 Lebkuchenbäckereien gab es einst in der Region. Heute sind davon nur noch zwei übriggeblieben: ein industriell produzierender Betrieb und die Baumanns, die sich stolz „älteste Odenwälder Lebkuchenbäckerei“ nennen. Seit dem Jahr 1785 geben sie das Handwerk von Generation zu Generation weiter. Und wie ehedem stellen sie in ihrem Familienbetrieb in Beerfurth die würzigen Leckereien in Handarbeit her. Das erfordert den vollen Einsatz von allen Beteiligten, denn die Nachfrage ist groß.

Auch Nachbarn und Bekannte packen mit an

Bis zu sechs Zentner Teig verarbeiten die Baumanns in der Hochsaison — pro Tag. Das funktioniert nur mit einer straffen Organisation. Denn neben Lebkuchen stehen auch noch Kokosmakronen, Spritzgebäck, Anisplätzchen, Vanillekipferl und andere Weihnachtskekse auf dem Programm. Zwischen Mitte November und Weihnachten wird in drei Schichten gebacken. Für Willi Baumann heißt das: lange Tage, kurze Nächte. Um drei Uhr in der Früh macht er in der Backstube Feuer, wärmt den Honig an und bereitet den Lebkuchenteig vor, damit es gleich losgehen kann, wenn gegen acht Uhr die Helfer eintreffen.