LANDBÄCKEREI DANZBERGER in Scharbach – BACKEN ALS BERUFUNG |2|

 


 

Schon 1964 hat er erstmals geheiratet. Der hochzeitliche Freitag hat einen engen Zeitplan: Bis mittags um halb drei fährt er Backwaren aus, um 15.00 Uhr geht's zum Friseur, und am Nachmittag um vier folgt die standesamtliche Trauung, am Samstag dann die kirchliche. »Damals war man erst mit 21 Jahren volljährig. Da ich aber schon eine komplett eingerichtete Wohnung in unserem Haus in Bensheim hatte, habe ich mich vom Vormundschaftsgericht für volljährig erklären lassen.


Die Nachkriegszeit hat sein gesamtes Leben geprägt. »Obwohl wir damals schon eine Pachtbäckerei hatten, war mein Vater noch als Fachlehrer an der Berufsschule tätig und hat bis Anfang der fünfziger Jahre noch Back-Kurse gegeben; hier war eine komplette Bäckerei eingerichtet. Auch für andere Teilnehmer hielt er Kurse in Backen: Buttercremetorten — Sahne wurde damals bei uns noch nicht verarbeitet — und Modellierarbeiten mit Marzipan und Zucker.«

Anfänglich hat das Familienunternehmen nach dem Krieg noch zwei, drei Gesellen und einen Lehrling, »die alle im Haus mit wohnten und auch hier gegessen haben. Meine Mutter vermietete noch Zimmer an Schüler der Steinfachschule mit Verpflegung. Am Tisch saßen mittags immer circa zehn Personen.

Danzbergers erste Ehe kommt in Schieflage, weil gesundheitliche Probleme seiner Frau und finanzielle Engpässe im Geschäftlichen dazwischengeraten und der Bäcker »immer die Bank im Nacken« hat. Nach zwanzig Jahren streicht er in Bensheim die Segel und schließt seinen Betrieb. Auch für die Ehe kommt 1982 das Aus. »Das Haus haben wir verkauft, die Schulden bezahlt. Übriggeblieben ist nur die Erfahrung.«

Gerhard Danzberger will seinem Beruf treu bleiben und geht als Bäckermeister nach Mannheim. Aber in der Kurpfalzstadt wird er nicht glücklich. »In diesem Betrieb wurde kein Gramm Roggenmehl verarbeitet. Nach vier Wochen war Schluss für mich, da ich zehn Überstunden wöchentlich umsonst arbeiten sollte.« Er geht vors Arbeitsgericht, wo er sein Recht bekommt und ihm auch sein Geld zugesprochen wird.

Seine nächste Station ist Darmstadt. Dort hat er zwar einen Chef, der ihn akzeptiert als Backstubenleiter, doch der Lehrling ist ein Freund der Tochter vom Boss und spielt »den „Überchef“«, so Danzberger. »So war auch hier nach acht Wochen Schluss für mich.«

Er heuert nun an in einer Großbäckerei im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim. Von vornherein hat er dabei ein flaues Gefühl. Er trifft mit dem Chef eine Vereinbarung, dass keiner innerhalb eines halben Jahres kündigen kann, egal was passiert. »Denn ich wusste, dass es kracht. Nach anderthalb Jahren haben wir den Umsatz um 50 Prozent gesteigert. Eigentlich ein Erfolg. Aber zu welchem Preis? Langer Anfahrtsweg, kein Privatleben am Wochenende, Gehalt mäßig.«

Zum ersten Mal kommen dem Bäckermeister Zweifel an seiner Berufswahl. Er verbringt erst mal vier Wochen Urlaub in Caldwell, New Jersey bei der ältesten seiner drei Schwestern, und bei der Rückkehr steht sein Entschluss fest: »Ich mache etwas anderes.« Danzberger wechselt in die Versicherungsbranche. und fängt in Darmstadt bei der Hamburg-Mannheimer an. Er besucht Seminare und wird nach drei Monaten befördert. »Bald ist er Führungskraft mit Schulungsaufgaben. Sein gewohnter 12- bis 14-Stundentag kommt seinen beruflichen Zielen entgegen, was sich auch finanziell bemerkbar macht.

1984 heiratet er zum zweiten Mal — und ist schon zwei Jahre später wieder solo. 1986 lernt er beim Tanzen seine Roswitha kennen, mit der er nun seit gut dreißig Jahren verheiratet ist und seit 1989 in Scharbach lebt. Seine Arbeit bei der Hamburg-Mannheimer kann er damals noch mit seiner Nebentätigkeit als Immobilienmakler und als Unternehmensberater verbinden. »Meine Frau hat mich hier tatkräftig unterstützt. Nicht alles hat geklappt, denn mit fünf Blumengeschäften habe ich große Verluste gemacht.

Mit 58 Jahren ist für Gerhard Danzberger beruflich ein Wechsel nach Wiesbaden nötig. »Die Hamburg-Mannheimer war im Umbruch, die Filiale in Darmstadt wurde geschlossen.« Die Anhörung bei der Sozialplankommission belohnt seinen Optimismus, denn bezüglich seiner Zukunft hat er klare Vorstellungen: »Nur noch ein Drittel arbeiten, aber das Gleiche verdienen.« Er hat genügend Selbstbewusstsein und ein Verkaufstalent. Von da an hat er Zeit, sich um seine Pferde zu kümmern und andere Aufgaben anzugehen.

Der Bau eines Steinbackofens hat ihn seit der Kindheit beschäftigt. »Mein Vater hat mit seinen Schülern auf dem Katharinenberg in Wunsiedel einen Steinbackofen gebaut. Als der in Betrieb genommen werden sollte, waren alle Eisenteile geklaut. Damals habe ich mir gesagt, irgendwann baue ich einen Steinbackofen. Und somit hat er jetzt doch »wieder eine Bäckerei, was ich eigentlich nicht wollte.« Womit sich jedoch der Kreis schließt, denn das Backen ist für Gerhard Danzberger halt mehr als nur Beruf, es ist ihm Berufung.

Aber alles hat seinen Preis. Zwei Herzinfarkte und eine Bypassoperation haben ihn zeitweilig ausgebremst, und »das Tanzen geht leider nicht mehr.«

Trotzdem schaut Gerhard Danzberger jeden Tag positiv in die Welt. Aufhören gehört zu den Dingen, die er im Gegensatz zu seinem Handwerk weit weniger gut beherrscht. Natürlich hat sich im Bäckereigewerbe vieles geändert, seit er damit begonnen hat. »Früher galt das Nachtbackverbot, heute Beginn 4.00 Uhr, Lohnkosten viel geringer, maschineller Einsatz, zwangsläufig andere Backmittel, denn lange Vorbereitungszeiten sind zu teuer. Es gibt keine Allroundbäcker mehr.« Denn: »Die Qualität ist nur noch bedingt erreichbar, Sauerteigführung ist kompliziert und nicht erklärbar, man muss es können und fühlen.«

Der mittlerweile 73-Jährige hat sich dieses Gefühl bewahrt für seine Arbeit. Wichtig ist ihm zudem die Tradition, natürlich zu backen. Dazu gehören »Ruhezeiten der Teigführung, handwerkliches Aufarbeiten der Teige, schonende Behandlung, genaues Wiegen und Messen, Temperaturen beachten, auch die Außentemperatur. Ich verwende nur Qualitätsrohstoffe, und Massenware zu günstigen Preisen geht bei mir nicht.«

Im Odenwald ist er längst heimisch geworden, denn der ist von der Vegetation dem Fichtelgebirge ähnlich, wo er herkommt. Außerdem gilt für den Bäckermeister: »Mein Lieblingsort ist immer da, wo meine Frau und meine Pferde sind.« Überdies hat er sich einen trockenen Humor bewahrt: »Einmal hat ein Kunde gefragt: „Was ist der Unterschied zwischen den Kreppeln da oben und da unten?“ Meine spontane Antwort: „Die liegen oben und die anderen unten.“ –– Alle Kunden haben gelacht.«

Text: Mike Seifert


 

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