HELGA DÖRSAM RIEBEL – Zwischen Orient und Odenwald


Es sind die Gegensätze, die das Leben von Helga Dörsam-Riebel prägen. Heimat und Fernweh. Dorf und Weltstadt. Orient und Odenwald. In ihren Bildern werden diese gegensätzlichen Einflüsse sichtbar, werden zu Farben, in denen ein Feuer brennt. Dass sich der Kreis ihrer bewegten Reise quer über den Erdball dort schließt, wo er seinen Anfang genommen hat, ist für die Malerin nur logisch. In Wald-Erlenbach hat sie eine neue Heimat gefunden gegenüber jenem Haus, in dem sie einst aufgewachsen ist.
 

Der Odenwald, die neue alte Heimat, ist für Helga Dörsam-Riebel ein nahezu mystischer Ort. „Hier gibt es Plätze, die einen an die Existenz von Elfen, Feen und Kobolden glauben lassen“, sagt sie und meint damit das Zusammenspiel von Farben, Licht und Natur, von verwachsenen, uralten Bäumen und vom Wetter und den Jahreszeiten grob behauenen Gesteinsformationen. Hier findet die Künstlerin das, was des Künstlers wertvollstes Gut ist: die Inspiration. Gebannt wird sie von Helga Dörsam-Riebel auf Papier. Geht sie in den Wald, hat sie immer etwas zum Zeichnen dabei. Zuhause drückt sie den Skizzen Stück für Stück, Schicht um Schicht ihren Stempel auf. Sie malt mit Öl, mal abstrakt, mal gegenständlich. Entscheidend aber ist immer ein ganz anderer Faktor: die Farbe.

„Ich bin ein farbenfroher Mensch, von den Farben leben letztlich alle meine Bilder“, sagt Helga Dörsam-Riebel. Wer ihre Werke kennt, wird der Frau mit der klaren Kante und einer sehr offenen, freundlichen Art nicht widersprechen. Die Farben sind das Erste, das aus ihren Bildern spricht, und das, was am tiefsten Eindruck hinterlässt. Und nicht nur die Farbe an sich. Es ist ein dahinter und hindurch scheinendes Licht. Mal ein Flimmern und Flackern, mal ein Strahlen und Fluten. In den Bildern von Helga Dörsam-Riebel steckt eine alles durchdringende Lebendigkeit. Und diese Lebendigkeit kommt aus dem Licht. 
Gelernt hat sie das womöglich dort, wo sie aus dem Odenwald immer hinwollte. In der Ferne. In China, vor allem aber in Abu Dhabi. An der Seite ihres Mannes lernte die heute 56-Jährige die andere Hälfte des Erdballs kennen und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Als heranwachsende Frau hatte sie hinaus gewollt aus dem Dorf, hinein in die Welt. Der Mann, der für denselben Traum die passende Frau gesucht hatte, fand sie in der jungen, abenteuerlustigen Helga, damals noch Dörsam. Gemeinsam machten sie sich auf zu fremden Kulturen, tauchten ein in unbekannte Städte, Gesellschaften, Gerüche – und Farben. „Abu Dhabi ist für mich weiß und türkis“, sagt Helga Dörsam-Riebel. Die Bilderserie hierzu wird im kommenden Herbst im neuen Odenwälder Atelier der Malerin zu sehen sein. 
Aus der Lust am Schauen, Beobachten und in sich Aufnehmen wurde allmählich mehr. Zunächst beschäftigte sich Helga Dörsam-Riebel mit Fotografie. Während eines längeren Aufenthaltes in Israel war es eine eher zufällige Begegnung mit einer Künstlerin, die an der Hochschule ihrer Tochter unterrichtete, die ihr den ersten Zugang zur Malerei verschaffte. „Bis dahin“, so die Odenwälderin, „hatte ich überhaupt keine Idee davon.“ Zum Einstieg versuchte sie sich in Wischtechnik, probierte aus, spielte mit Farben und Formen. Die Liebe zur Kunst, zur Malerei entflammte – wie die Farben in den heutigen Bildern von Helga Dörsam-Riebel.
Warum nun, wo das Glück in der Welt gefunden war, zurück zu den Anfängen? „Mir erschien es nur logisch: Wenn wir im Alter zurück nach Deutschland wollen, dann doch wieder dahin, wo wir schon einmal zuhause waren“, sagt Helga Dörsam-Riebel. Dabei war die Verbindung in die alte Heim