OTTO MORR –  Messer entstehen beim Tun.
Mit einem Messer geht es besser. Das haben vor über zweieinhalb Millionen Jahren im Paläolithikum, der Altsteinzeit, die ersten Frühmenschen erkannt und sich aus scharfkantigen Steinen die Grundform dessen geschaffen, was heutzutage als eines der wichtigsten Alltagswerkzeuge in jeder Küchenschublade zu finden ist. Freilich ist es einst vom Faustkeil bis zum ersten richtigen Messer mit Griff und schnitthaltiger Klinge noch ein weiter Weg.
Otto Morr hat eine Art Abkürzung genommen. Schon als Kind von sechs oder sieben Jahren fertigt der 1956 in Wald-Michelbach-Siedelsbrunn geborene Naturfreund sein erstes Messer. Sein Vater ist damals Schreiner, aber das Arbeiten mit Holz steht für den Dreikäsehoch nicht auf der Prioritätenliste.
Messer hingegen faszinieren ihn, ohne dass er deshalb einen Klingenfetischismus entwickelt. Doch er kapiert schnell, dass ein Messer ein unverzichtbares Schneidewerkzeug darstellt, das in seinen mannigfaltigen Ausführungen den Alltag erleichtert — ob nun draußen auf der Pirsch oder in der heimischen Stube beim Zerteilen von Obst, Gemüse oder Fleisch.

Zuerst einmal macht der jugendliche Otto nach der Schule eine Lehre als Dreher. Morr lernt als Zerspanungsmechaniker, wie der Beruf heute auch genannt wird, das Drehen, Bohren, Fräsen und Schleifen von Metall, was ihm später als Messermacher sehr zupass kommt. Messer fertigt Otto Morr seit Jahren als Auftragsarbeiten unter einer Abmachung: Er will dabei möglichst viel künstlerischen Freiraum haben. 08/15-Messer, wie man sie im Kaufhaus in der Haushaltswaren-Abteilung oder in Billigläden findet, sind nicht seine Sache. Er begreift das Messermachen als richtiges Kunsthandwerk.

Seine Klientel sagt ihm, was gewünscht wird, und er schaut, wie er dem Auftrag dergestalt nachkommt, dass nicht nur die Kundschaft hernach Freude daran hat, sondern auch der Schneide-Spezialist selber bei der Herstellung. Er bevorzugt dabei Material, das sich mithin durch Zufall findet. »Ich verwende, was die Natur mir gibt«, sagt er, und er weiß: »Die Natur lässt sich nicht verändern, sondern nur verfeinern.«